Le corbusier
Le Corbusier
1887-1965
Maßstab ist der Mensch, für den wir arbeiten
Nach wie vor hat Le Corbusier nichts von seiner Aktualität verloren und die Faszination über seine Ideen und seine bis heute in weiten Teilen gültigen Einschätzungen haben Bestand. Er ist einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus ein bedeutender Theoretiker und Maler.
Die nähere Betrachtung seiner Person und seines Schaffens macht das immer wieder deutlich. Leider gerät heute das ganzheitliche Erfassen des „Wohnens“ in einem Gesamtkonzept immer mehr in den Hintergrund, denn für den hart umkämpften Markt in der Baubranche zählen diese Werte kaum noch etwas.
Der Preis regelt die Ansprüche; die Umsetzung theoretischer Erkenntnisse und praktischer Wahrheiten ist nicht mehr gefragt.
Gerade deshalb ein wenig Rückbesinnung auf die Ursprünge moderner Baukultur, die uns letztendlich mitgeprägt hat und Wegbereiter des derzeitigen Umganges mit den „4 Wänden“ war.
Als Autodidakt war Le Corbusier nicht durch Regeln in seiner Sichtweise eingeschränkt. Auf seinen Reisen beobachtet er zunächst in der Natur Erscheinungen, die auf Regelmäßigkeiten, Gesetze und Ordnungen deuten. Die Kraft der Harmonie sieht er darin begründet.
Außerdem stellte er in Bauwerken, die eine gewisse harmonische Ausstrahlung haben fest, dass die Höhe zwischen Decke und Fußboden immer bei ca. 2,10m bis 2,20m lag. Diese Höhe fand er sowohl bei einfachen türkischen, griechischen, bayrischen oder schweizerischen Häusern, als auch in traditionellen Pariser Läden, bei denen die Höhe von 2,20m einfach verdoppelt war.
Es ist dies die Höhe eines Mannes mit erhobenem Arm,
also ein Bezug zum menschlichen Maßstab.
Er glaubte an einen mathematischen Zusammenhang der Dinge.
Darum plädierte er schon 1920 für die Normung in den Dingen des Bauens.
In seinem Beitrag „Augen die nicht sehen“ im „L´Esprit Nouveau“, die Zeitschrift die er 1919 gründete und herausgab, schreibt er:
„Man muss die Herstellung des Standards erstreben, um dem Problem der Vervollkommnung gewachsen zu sein.
Der Parthenon ist ein Ergebnis der Auswahl, angewandt auf einen Standard.
Die Architektur ist wirksam durch Standards.
Die Standards sind Ergebnisse der Logik, der Analyse, des gewissenhaften Studiums; sie entstehen aus einem richtig gestellten Problem heraus. Das Ausprobieren bestimmt am Ende den Standard.“
Le Corbusier suchte aus sozialem Engagement heraus nach Wegen, menschenwürdige Wohnungen in einem Gesamtkontext und kostengünstig zu bauen.
Mit Elan sucht er Lösungen die, der Bautradition, der „Routinearchitektur“ entgegenstehen.
Städtebauliche Ansprüche berücksichtigend versuchte er alle Aspekte einer natürlichen Umgebung zu integrieren.
Nicht zuletzt deshalb forderte er die Großindustrie auf, sich mit dem Bauen zu beschäftigen und Hauselemente in Serien herzustellen.
So entwickelte er 1925 einen 5-Punkte-Plan zur Massenherstellung von Häusern, um sein Konzept umsetzen zu können:
Nach 20 Jahren Vorarbeit, in denen er unablässig auf der Suche und Entwicklung nach einem allgemeingültigen Ordnungsprizip ist, hat Le Corbusier erstmals Gelegenheit zur Ausführung dieser Idee im großen Rahmen.
1945 bekommt er vom Wiederaufbauministerium den Auftrag für die „Unité d´habitation“ in Marseille.
Er hat vollständige Freiheit, seine Auffassungen von modernem Wohnungsbau für die Mittelklasse zum Ausdruck zu bringen:
• Schaffung verschiedener Wohntypen entsprechend der Zweckbestimmung für Einzelpersonen, Ehepaare, Familien mit 2,4,6 oder mehr Kindern
• Vorfabrikation der Wohnungselemente, sogar der Inneneinrichtung
• Vom Grundriss unabhängiges Skelett
• Einrichtungen zum gemeinschaftlichen Gebrauch
Abgesehen von den Konstruktiven Voraussetzungen, die es in Zusammenarbeit mit der Industrie zu schaffen galt sind ihm die menschlichen Ansprüche an den Lebensraum wichtig.
Was er in seinem Umfeld wahrnimmt veranlasst Ihn, über Veränderungsmöglichkeiten nachzudenken:
Die am dichtesten bevölkerten Viertel befinden sich in den am wenigsten begünstigten Gebieten der Stadt, an Schattenhängen, die von Nebel, Industrieabgasen etc. betroffen sind.
Dem gegenüber stehen die gut durchlüfteten Bauten und teuren Luxuswohnungen in begünstigten Gebieten der Stadt. Windgeschützte Lagen mit freier Aussicht auf die Landschaft und vor allem Sonne im Überfluss.
Damit ist für Le Corbusier der Beweis erbracht, dass das instinktive Bestreben des Menschen ihn immer – wenn es seine Mittel erlauben – dazu bringt, sich um Lebensbedingungen und eine Art des Wohlbefindens zu bemühen, deren Wurzeln in der Natur selbst liegen.
Es ist für ihn notwendig, gewisse Gewohnheiten zu ändern. Er fordert sogar durch eine strenge Gesetzgebung unabhängig von der Geldfrage ein gewisses Maß an Wohlbefinden erreichbar zu machen: “Man muss für immer durch strenge gesetzliche Regelung von Seiten der Stadt verbieten, dass ganze Familien des Lichtes, der Luft, des Raumes beraubt werden“.
Die oberste Aufgabe ist deshalb die menschenwürdige Unterbringung der Massen, eine Forderung, die vor allem seine kausalen Zusammenhänge aus den hygienischen Zuständen zu Anfang des 20.Jahrhunderts bezieht. Der Zeitpunkt der Umsetzung seiner Ideen steht zusätzlich unter dem Eindruck der Wohnungssituation nach dem 2.Weltkrieg.
Grundsatz des Konzeptes ist die Trennung von Auto- und Fußgängerverkehr und der Bebauung in Form von Großwohneinheiten, in die Dienstleistungseinrichtungen und Versorgungseinheiten integriert sind. Er bringt sein grundsätzliches Bedürfnis zum Ausdruck, kollektive und individuelle Anforderungen zu verbinden.
Wichtigstes Anliegen Le Corbusiers war, die Wohnzellen mit der neuesten technischen Ausstattung zu versehen. Alle Wohnungen sind mit warmem und kaltem Wasser, Heizung, Klimaanlage, Dusche, WC, Telefon, Strom und Gas ausgestattet, was damals wohl nicht selbstverständlich war.
Bei der Planung verwendet er das von ihm entwickelte Proportionssystem, den Modulor.
Hier die Darstellung auf einem Gemälde von Le Corbusier von 1950.
Biographie
6.10.1887 Le Corbusier (Geburtsname Charles-Eduard Jeanneret) wird als Sohn eines Designers und einer Musiklehrerin in La Chaux-de-Fonds (Schweiz) geboren
1900 Graveur- und Ziseleurlehre unter Charles L’ Eplattenier an der École d’Art in seinem Geburtsort La Chaux-de-Fonds
1905 errichtet er dort sein erstes Bauwerk, die Villa Vallet, für ein Mitglied der Kunstschule.
1907-1911 Jeanneret unternimmt eine Studienreise durch Europa; er besuchte Italien, Budapest und Wien, bevor er bei Auguste Perret in Paris 1908/09 Einblick in die Möglichkeiten der Stahlbetonkonstruktionen erhält. Er arbeitet in führenden Architekturbüros in Dresden und in Berlin, wo er bei Peter Behrens 1910/11 weitere Erfahrungen sammelt.
1914-1915 Er entwickelt sein Bausystem „Dom-ino-Haus“ zur seriellen Produktion mehrgeschossiger Bauten in Stahlbeton-Skelettbauweise mit variabler Innengliederung
1916 Villa Schwob in La Chaux-de-Fonds, ein Stahlbetonbau im klassizistischen Stil
1917 Übersiedlung Jeanneret’s nach Paris. Er lernt den Maler Amédée Ozenfant kennen, mit dem er 1918 das Manifest „Après le cubisme“ veröffentlicht.
1919 zusammen mit Ozenfant Gründung
und Veröffentlichung der Zeitschrift
„L’Esprit Nouveau“. Hier signiert er
zum ersten Mal Artikel mit dem
Pseudonym Le Corbusier.
zwischen 1920 entwickelt er die Citrohan-Häuser, schachtelartige Bauten mit tragenden
und 1922 Wänden an den Längsseiten.
Er publiziert seine städtebauliche Konzeption einer Stadt für 3Mio Einwohner.
1923 Er veröffentlicht unter dem Titel „Vers une Architecture“ sein erstes Buch.
Teilnahme an der Ausstellung des Bauhauses in Weimar.
Doppelhaus La Roche u. Jeanneret in Auteuil
1925 Wohnsiedlung in Pessac
Auf der Pariser „L’Exposition des Arts Décoratifs“ ist ein Pavillion Le Corbusier und seinen Freunden gewidmet; er wird „L’Esprit Nouveau“ betitelt.
1926 Haus Cook in Boulogne-sur-Seine
1927 Teilnahme am Wettbewerb des Genfer Völkerbundpalastes
Teilnahme an der Werkbundausstellung in Stuttgart-Weißenhof mit zwei Wohnhäusern
1928 Le Corbusier ist Gründungsmitglied des
„Congrès Internationaux d’ Architecture Moderne“
die ihre Tagungen bis in die 50er
Jahre hinein abhalten
ab 1929 war er weltweit als Städteplaner tätig
und errichtet bedeutende Großbauten, wie
-privates Wohnhaus Villa Savoye in Poissy (1929-31)
-Nachtasyl Cité de Refuge der Heilsarmee in
Paris (1929-33)
-Schweizerisches Haus der Cité Universitaire
in Paris (1930-32)
1930 Heirat mit Yvonne Gallis
1931 Für das Projekt des Sowjet-Palastes in Moskau erarbeitet er eine Halle, die an einem Parabelbogen hängt.
1933 CIAM gibt in der „Charta von Athen“ Leitsätze für den Städtebau heraus
1935 erste USA-Reise; Veröffentlichung eines weiteren Stadtplanungskonzeptes unter dem Titel „La Ville radieuse“
1936-1945 Entwurf für das Bildungsministerium in Rio de Janeiro und die Zentrale der Vereinten Nationen in New York
1943 Le Corbusier kehrt während des 2. Weltkrieges ins besetzte Paris zurück.
Er gründet die „Assemblée des Constructeurs pour une Rénovation Architecturale“ (Vereinigung der Konstrukteure für eine architektonische Erneuerung)
1945-1952 Unité d’Habitation in Marseille;
seine Bauten weisen zunehmend
skulpturale Formen auf.
Die Dachterrasse gleicht dem
Deck eines Ozeandampfers.
1950-1954 Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut
1950-1955 in Rochamp.
Le Corbusiers Bauten haben sich zu einem expressiv
geformten, skulpturalen Stil gewandelt.
Dazu gehören auch das Dominikaner-
kloster Sainte-Marie-de-la-Tourette
in Evreux-sur-L’Arbresle (1957-1960) und der Justizpalast
in Chandigarh (1950-1956)
1952-1957 Unité d’Habitation in Nantes-Reze
1956/57 Unité d’Habitation in Berlin
1957-1959 Unité d’Habitation in Meaux
1961-1964 Visual Arts Center der Harvard University in Cambridge, Massachusetts
1965 am 27. August stirbt Le Corbusier nahe Cap Martin bei Nizza
Quellen: “Der Modulor”, Le Corbusier
“Modulor 2”, Le Corbusier
Baustilkunde, Wilfried Koch
www.dhm.de, www.tu-harburg.de



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